Arbeitstisch mit Material nach der AFS-Methode: Wörterkartei, Holzbuchstaben, Lesebuch mit EASY-Reading-Leseschablone und Worterarbeitung „Ba|na|ne“ mit Silbenbögen

AFS-Methode: evidenzinformiertes Legasthenietraining aus der Praxis

Kurz gesagt

  • Start mit dem AFS-Test: Erklärt pädagogisch, ob eine Legasthenie oder eine erworbene Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) vorliegt. Davon hängt das ganze Training ab.
  • Drei Bereiche gehören zusammen: Aufmerksamkeit, Funktion (Sinneswahrnehmungen) und Symptom. Ein Bereich allein ist zu wenig.
  • Kein Training ohne Schriftbezug: Buchstaben, Silben, Wörter, Worterarbeitung, Rechtschreibung und Lesen sind fester Bestandteil der AFS-Methode, auch phonologische Übungen.
  • Worterarbeitung als Herzstück: Wortbild, Wortklang und Wortbedeutung, gestützt durch Forschung der University of Washington.
  • Evidenzinformiert statt „evidenzbasiert“: Forschungsergebnisse fließen ein und werden mit dem Blick auf das einzelne Kind verbunden.

Die AFS-Methode ist kein Training der Sinneswahrnehmungen ohne Bezug zum Lesen und Schreiben, sondern das Gerüst für jedes Legasthenietraining. Das ist mir wichtig, weil sie oft genau so missverstanden wird. Vor Kurzem habe ich eine qualitative Forschungsarbeit an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik in Wien Ober-St.-Veit unterstützt. Untersucht wurde, wie die Förderung von Kindern mit Legasthenie gestaltet wird und welche Rolle die AFS-Methode dabei spielt. Ein Schwerpunkt war auch die Frage, wie sich die AFS-Methode zur sogenannten evidenzbasierten Förderung bei Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) verhält. In diesem Beitrag fasse ich zusammen, was ich aus meiner Praxis dazu beigetragen habe.

Am Anfang steht immer der AFS-Test

Ich arbeite seit vielen Jahren mit Kindern und Jugendlichen, die beim Lesen und Schreiben Schwierigkeiten haben. Am Anfang steht bei mir immer eine genaue pädagogische Abklärung. Ich will wissen, ob es sich um eine Legasthenie handelt, also um genetisch bedingte, differente Sinneswahrnehmungen mit zeitweiser Unaufmerksamkeit bei Symbolen, oder um eine erworbene Lese-Rechtschreibschwäche (LRS).

Dazu führe ich den standardisierten, an über 100.000 Kindern evaluierten AFS-Test zur Feststellung und Kategorisierung einer Legasthenie oder Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) durch (Kopp-Duller, 2021). Die Unterscheidung ist so wichtig, weil die Ursache und damit auch die Intervention jeweils eine andere ist. Sie bestimmt das ganze Training: Bei einer erworbenen Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) reicht oft gezieltes Arbeiten an Lesen und Rechtschreibung. Bei einer Legasthenie trainiere ich in allen drei Bereichen der AFS-Methode, also Aufmerksamkeit, Funktion (Sinneswahrnehmungen) und Symptom.

Aus dem Test ergibt sich eine Grobplanung für die ersten Monate (Trainingsplan), die ich mit den Eltern bespreche. Jede Stunde plane ich dann einzeln und halte sie schriftlich fest.

Die AFS-Methode ist ein Rahmen, keine Alternative

Die AFS-Methode wird oft missverstanden, als wäre sie eine Alternative zu anderen Förderprogrammen, zwischen denen man sich entscheiden muss. Das ist sie nicht. Sie ist das Dach, gewissermaßen das Gerüst, für jedes Legasthenietraining. Ihr Kern ist die Erkenntnis, dass ein legasthenes Kind in allen drei Bereichen trainiert werden muss: Aufmerksamkeit, Funktion und Symptom (Kopp-Duller, 2021; Kopp-Duller & Pailer-Duller, 2020).

Ein Bereich allein ist zu wenig. Ein reines Aufmerksamkeitstraining, ein reines Rechtschreibtraining oder ein reines Training der phonologischen Bewusstheit deckt jeweils nur einen Teil dessen ab, was das Kind braucht. Jeder dieser Ansätze kann aber in die AFS-Methode integriert werden und hat dort seinen Platz. Welcher Baustein wann und in welchem Umfang dazukommt, richtet sich nach dem einzelnen Kind, nach seinem Testergebnis und nach dem, was ich im Training beobachte.

Nur an den Fehlern zu üben, bringt legasthenen Kindern wenig, weil ihre Fehler Wahrnehmungsfehler sind und nicht aus fehlendem Regelwissen kommen. Am Anfang bekommen Aufmerksamkeit und Funktion mehr Raum, später verschiebt sich der Schwerpunkt zum direkten Lesen und Schreiben.

So ist ein Training aufgebaut

Die meisten Kinder kommen in der 2. oder 3. Klasse, wenn Lesen und Schreiben in der Schule nicht mehr nur geübt, sondern definitiv bewertet werden. Einige kommen schon im Vorschulalter oder in der 1. Klasse, andere erst in der Sekundarstufe, wenn die Anforderungen steigen oder Fremdsprachen dazukommen. Für mich gilt: Je früher wir beginnen, desto weniger Frust hat sich angesammelt. Woran Eltern eine Legasthenie früh erkennen, zeigt der Beitrag Legasthenie rechtzeitig erkennen.

In der Regel trainiere ich eine 60-Minuten-Einheit pro Woche im Einzelsetting. Jede Stunde enthält Anteile aus allen drei Bereichen und beginnt mit einem Aufmerksamkeitsteil. Danach folgen Funktions- bzw. Sinneswahrnehmungsübungen (mit und ohne Buchstaben) und schließlich die Symptomarbeit. Die Gewichtung richtet sich nach dem Testergebnis und der Tagesverfassung des Kindes. Das Training dauert meist ein bis zwei Jahre.

Das meiste Material ist mehrkanalig und zum Anfassen: Buchstaben und Wörter in 3D, bewusst einfarbig. Dazu kommen die Worterarbeitung mit Wortbild, Wortklang und Wortbedeutung, die Wörterkartei mit Meisterfach und die Leseschablone. Für die Sinneswahrnehmungen nutze ich das Easy Training Set PLUS, Suchbilder, Merkspiele, Hör- und Reihenfolgeübungen und Übungen zur Raum- und Körperwahrnehmung. Auch Lernsoftware setze ich ein. Die Methode ist offen: Was einem Kind nachweislich hilft, darf dazukommen.

Kernwirksam sind für mich das Gedankenlenken auf die Symbole, die Worterarbeitung (50 bis 100 wirklich erarbeitete Wörter sieht man im Schreiben deutlich) und das Lesetraining in kleinen Portionen. Unterstützend sind Entspannungs- und Bewegungsübungen, Lernspiele und das Arbeitsumfeld. Lob und Zeit würde ich fast zum Kern zählen.

Aufmerksamkeit: die Grundlage jeder Stunde

Das Aufmerksamkeitstraining ist die Grundlage. Legasthene Kinder sind oft nicht generell unaufmerksam, sondern genau dann, wenn sie mit Buchstaben oder Zahlen arbeiten. Ich beginne jede Stunde damit.

Im Verlauf des Trainings arbeiten die Kinder länger am Stück, holen sich selbst zurück, wenn sie abschweifen, und machen weniger Fehler bei Wörtern, die sie eigentlich können. Viele erleben einen Aha-Moment: „Wenn ich daran denke, geht es schneller und richtig.“

Ständige Ermahnungen habe ich durch vereinbarte, wechselnde Zeichen ersetzt, etwa ein Handzeichen oder einen Sticker am Federpenal, weil Kinder immer gleiche Sätze irgendwann überhören. Längere Fantasiereisen setze ich nur noch ein, wenn sie vom jeweiligen Kind gut angenommen werden.

Funktion: Sinneswahrnehmungen mit und ohne Buchstaben

Welche Sinneswahrnehmungen ich trainiere, hängt vom Testergebnis ab, weil so gut wie nie alle Bereiche betroffen sind (Pailer-Duller, 2023). Nach meiner Erfahrung sind optische und akustische Differenzierung (b/d, Sand/Rand) besonders oft zentral. Dazu kommen Serialität und optisches Gedächtnis, weil sie direkt mit Buchstabenreihenfolge und Wortbild zusammenhängen. Körper- und Raumwahrnehmung sind bei manchen Kindern entscheidend, bei anderen kaum Thema.

Übungen ganz ohne Buchstaben wirken auf den ersten Blick weit weg vom Lesen und Schreiben. Beim Lesen und Schreiben muss man aber genau hinsehen und hinhören. In der AFS-Methode wird ausdrücklich mit und ohne Symbole geübt. Einen großen Teil der Differenzierungs- und Gedächtnisübungen mache ich mit Buchstaben, Silben und Wörtern, und dort gehen sie fließend ins Symptomtraining über. Übungen ohne Symbole nutze ich vor allem als Einstieg bei jüngeren oder sehr frustrierten Kindern. Die meisten Übungen sind mit Buchstaben und Wörtern verknüpft, z. B. ein Silbenspiel oder Reimwörter. Das Material wechsle ich häufiger, und einige Papierübungen habe ich durch Computer- und Spielvarianten ersetzt.

Phonologische Übungen, also Phonics, sind in der AFS-Methode ebenfalls enthalten. Sie gehören zum Training der akustischen Sinneswahrnehmungen: Laute unterscheiden, heraushören und in der richtigen Reihenfolge erfassen. Allerdings hat nicht jedes Kind Probleme in diesem Bereich. Deshalb setze ich solche Übungen gezielt dort ein, wo der AFS-Test und meine Beobachtung zeigen, dass ein Kind sie wirklich braucht, und nicht bei allen Kindern gleich.

Symptom: Worterarbeitung als Herzstück

Am häufigsten und wirksamsten sind im Symptomtraining die Worterarbeitung mit Wörterkartei und das Lesetraining (kurze Texte, höchstens etwa 100 Wörter pro intensiver Einheit, Leseschablone). Bei Jüngeren kommt das Buchstabentraining in 3D dazu. Lautlehre und Wortarten sind wichtig, weil sie Rechtschreibentscheidungen begründen. Sätze schreiben kommt eher später.

Die Worterarbeitung ist für mich das Herzstück des Symptomtrainings. Legasthene Kinder merken sich ein Wort nicht dadurch, dass sie es oft abschreiben oder lesen. Viele „leichte Wörter“ schreiben sie deshalb jahrelang immer wieder anders falsch. Ein Wort gelangt erst dann ins Langzeitgedächtnis, wenn das Kind es in seiner Form wirklich sieht, es deutlich hört und seine Bedeutung versteht. Daraus ergeben sich die drei Schritte der Worterarbeitung:

  • Wortbild: Wir beginnen immer dreidimensional. Das Kind baut das Wort aus Buchstaben auf, nimmt es auseinander, ertastet es mit geschlossenen Augen und schreibt es in die Luft.
  • Wortklang: Wir sprechen das Wort deutlich, lautieren oder buchstabieren es so, wie das Kind es in der Schule gelernt hat, und bauen es ab und wieder auf, etwa g, gi, gib, gibt.
  • Wortbedeutung: Wir bestimmen die Wortart und das Grundwort, erarbeiten die Wortfamilie (geben, gab, gegeben, Gabe), bilden Sätze und besprechen das Bild, das das Kind im Kopf hat.

Danach kommt das Wort in die Wörterkartei und wird in Abständen wiederholt, bis es im Meisterfach bleibt. Oft bedeuten schon 50 bis 100 so erarbeitete Wörter einen deutlichen Fortschritt, weil das Kind dabei auch eine Strategie für neue Wörter lernt. Lange Diktate und das bloße Wiederholen von Fehlerwörtern setze ich kaum mehr ein. Lieber arbeite ich wenige Wörter gründlich mit allen Sinnen und nehme die persönliche Fehlerliste als Ausgangspunkt.

Dass gerade diese Verbindung von Schriftbild, Klang und Bedeutung beim Lernen wirkt, bestätigen auch Untersuchungen von Elizabeth Aylward, Virginia Berninger und ihrem Team an der University of Washington. Sie haben gezeigt, dass sich nach einem gezielten Training, das Laute und bedeutungstragende Wortteile mit der Schrift verbindet, die Gehirnaktivierung legasthener Kinder beim Umgang mit Sprache verändert (Aylward et al., 2003, Neurology 61(2), S. 212-219).

Das Symptomtraining ist das Ziel, Aufmerksamkeit und Funktion bereiten den Weg. Ich verbinde die Bereiche in einer Stunde: eine Differenzierungsübung mit genau den Buchstaben, die das Kind verwechselt, und danach die Worterarbeitung mit Wörtern, die diese Buchstaben enthalten.

Evidenzbasiert oder evidenzinformiert?

Der AFS-Methode wird manchmal vorgehalten, sie sei nicht evidenzbasiert, weil bei den Funktionstrainings der Schriftbezug fehle. Dass bei der AFS-Methode nur Sinnesübungen mit Bildern oder Tönen ohne Bezug zum Lesen und Schreiben gemacht werden, trifft nicht zu. Das Symptomtraining mit Buchstaben, Worterarbeitung, Rechtschreibung und Lesen ist ein fester Bestandteil, und auch im Funktionstraining arbeiten wir mit Buchstaben, Silben und Wörtern. Die AFS-Methode ist auch empirisch evaluiert, in einer Langzeitstudie mit Vergleichsgruppe (Kopp-Duller & Pailer-Duller, 2020).

Den Begriff „evidenzbasiert“ halte ich im pädagogischen Bereich für problematisch. Er kommt aus der Medizin. Dort lässt sich die Wirkung eines Medikaments in kontrollierten Studien prüfen, weil man eine klar abgegrenzte Maßnahme mit einer Vergleichsgruppe vergleicht. Lernen funktioniert so nicht. Auf ein Kind wirken beim Lernen viele Einflüsse gleichzeitig: die Beziehung zur Trainer*in, die Familie, die Schule, die Motivation, die Tagesverfassung, das Tempo. Ein Training lässt sich deshalb nicht wie eine Tablette isolieren und in seiner Wirkung messen.

In der aktuellen pädagogischen Forschung spricht man darum zunehmend von evidenzinformiertem Handeln (Neelen & Kirschner, 2020): Wissenschaftliche Erkenntnisse fließen in die Arbeit ein, werden aber mit der professionellen Erfahrung und dem Blick auf das einzelne Kind verbunden. Genau so verstehe ich meine Arbeit mit der AFS-Methode.

Genau das unterscheidet die AFS-Methode von Programmen, die für alle Kinder denselben Ablauf vorsehen: Sie setzt beim einzelnen Kind an, bei seiner Aufmerksamkeit, seinen Sinneswahrnehmungen und seinen Fehlern. Bewährte Ansätze wie Silben- oder Phonologietrainings haben darin Platz, weil die Methode offen ist. Auch das Kernstück des Symptomtrainings, die Worterarbeitung, ist wissenschaftlich gut gestützt. Für mich ist die AFS-Methode damit evidenzinformiert: Sie nimmt Forschungsergebnisse auf und verbindet sie mit der Frage, was dieses eine Kind gerade braucht.

Was Eltern zuhause tun können

Ich empfehle täglich 10 bis 15 Minuten, lieber kurz und regelmäßig als lang und selten. Die Kinder bekommen Worterarbeitungen und ihre Wörterkartei mit, dazu kurze Leseabschnitte und Übungen zu den Sinneswahrnehmungen, die bei ihnen betroffen sind, etwa aus dem Easy Training Set.

Den Eltern sage ich außerdem: nicht stundenlang diktieren, kleine Fortschritte sofort loben, nie mit Geschwistern vergleichen und einen ruhigen Arbeitsplatz einrichten (Tisch zur Wand, Licht von der Seite).

Was ein Training gelingen lässt und was es erschwert

An erster Stelle steht Regelmäßigkeit. Danach kommen die Beziehung zwischen Kind und Trainer*in, Lob und Geduld, Eltern mit realistischen Erwartungen, die Zusammenarbeit mit der Schule und Motivation, die durch Erfolgserlebnisse wächst.

Hilfreich sind ein ruhiger, reizarmer Raum, genug Zeit ohne Druck, ein Computer mit passender Lernsoftware und vor allem die Zusammenarbeit mit Eltern und Schule. Schwieriger wird es bei Terminstress, bei unregelmäßiger Teilnahme, wenn Familien sich schnelle Wunder erwarten und wenn die Schule weiter mit roter Tinte Fehler zählt.

Woran man Fortschritte erkennt

  • Lesen: Zuerst wird es genauer (weniger Raten und Zeilenverrutschen), dann flüssiger, später wächst das Verständnis. Manche Kinder beginnen freiwillig zu lesen.
  • Rechtschreibung: Bei erarbeiteten Wörtern gehen die Fehler zurück. Die Fehler werden weniger wahllos, und die Kinder finden ihre Fehler zunehmend selbst. Das dauert Monate, nicht Wochen.
  • Schule: Die Veränderung zeigt sich oft zuerst im Selbstvertrauen, dann in den Noten. Mit Nachteilsausgleich und verständnisvollen Lehrkräften geht es deutlich besser.

Erfolgreich ist ein Training für mich, wenn das Kind selbstständig mit seinen Schwierigkeiten umgehen kann: Es lenkt die Aufmerksamkeit von sich aus, hat Strategien für unbekannte Wörter und liest ohne Angst. Konkret sehe ich es am wiederholten AFS-Test, an weniger Fehlern bei vergleichbaren Texten und an den Rückmeldungen von Eltern und Schule.

Eine andere Art der Wahrnehmung

Mir ist wichtig, dass Legasthenie nicht als Defizit gesehen wird, sondern als andere Art der Wahrnehmung: Legasthenie ist keine Krankheit oder Behinderung. Viele dieser Kinder sind sehr kreativ. Wenn wir ihnen Zeit geben, ihre Erfolge sichtbar machen und Eltern und Schule zusammenarbeiten, lernen sie Lesen und Schreiben. Sie lernen es nur auf einem anderen Weg und in einem anderen Tempo.

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Häufige Fragen zur AFS-Methode

Weitere Antworten rund um Legasthenie und Dyskalkulie finden Sie im Beitrag Legasthenie & Dyskalkulie: die wichtigsten Fragen.

Was ist die AFS-Methode?

Die AFS-Methode ist ein pädagogisch-didaktischer Förderansatz von Dr. Astrid Kopp-Duller für Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie. Sie trainiert drei Bereiche gemeinsam: Aufmerksamkeit, Funktion (Sinneswahrnehmungen) und Symptom, also die Arbeit an den Fehlern beim Lesen, Schreiben und Rechnen.

Arbeitet die AFS-Methode mit Buchstaben und Wörtern?

Ja. Das Symptomtraining mit Buchstaben, Worterarbeitung, Rechtschreibung und Lesen ist ein fester Bestandteil der AFS-Methode, und auch im Funktionstraining wird mit Buchstaben, Silben und Wörtern geübt. Übungen ohne Symbole dienen vor allem als Einstieg.

Ist die AFS-Methode evidenzbasiert oder evidenzinformiert?

Die AFS-Methode ist evidenzinformiert: Sie nimmt Forschungsergebnisse auf und verbindet sie mit dem Blick auf das einzelne Kind. Sie wurde in einer Langzeitstudie mit Vergleichsgruppe evaluiert, und ihr Kernstück, die Worterarbeitung, ist durch Forschung der University of Washington gestützt (Aylward et al., 2003).

Was ist der AFS-Test?

Der AFS-Test ist ein standardisiertes pädagogisches Testverfahren, das an über 100.000 Kindern evaluiert wurde. Er klärt, ob eine Legasthenie oder eine erworbene Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) vorliegt, und ist die Grundlage für den individuellen Trainingsplan.

Was können Eltern zuhause tun?

Täglich 10 bis 15 Minuten üben, lieber kurz und regelmäßig als lang und selten, zum Beispiel mit der Wörterkartei und kurzen Leseabschnitten. Kleine Fortschritte sofort loben, nie mit Geschwistern vergleichen und für einen ruhigen Arbeitsplatz sorgen.

Wo finde ich Legasthenietrainer*innen, die nach der AFS-Methode arbeiten?

Diplomierte Legasthenietrainer*innen in Ihrer Nähe finden Sie auf legasthenietrainer.com.


Quellen

  • Aylward, E. H., Richards, T. L., Berninger, V. W. et al. (2003): Instructional treatment associated with changes in brain activation in children with dyslexia. Neurology 61(2), S. 212-219. PubMed 12874401
  • Kopp-Duller, A. (2021): Legasthenie: Training nach der AFS-Methode. 6. aktualisierte Auflage. Buch · eBook
  • Kopp-Duller, A. & Pailer-Duller, L. R. (2020): Legasthenie-Dyskalkulie!? 3. aktualisierte Auflage. Buch · eBook
  • Neelen, M. & Kirschner, P. A. (2020): Evidence-Informed Learning Design: Creating Training to Improve Performance. London: Kogan Page. Verlag
  • Pailer-Duller, L. R. (2023): Legasthenie und Sinneswahrnehmungen. Relevanz, Zusammenhänge, Unterschiede. 2. Auflage. Buch · eBook

Über die Autorin

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